Bewusst „sein“ – ein Urlaub ganz mit mir allein

Hallo ihr Lieben,

nun bin ich schon fast eine Woche wieder in Hamburg und komme jetzt endlich dazu über meinen Urlaub zu berichten. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie und was ich schreiben will, was ich preisgeben möchte und was für mich bleibt.

Erstmals möchte ich sagen, dass mir diese Auszeit mehr als wichtig war. Ich habe auf meiner Facebook Seite bereits oft über das Thema Essstörungen gesprochen und genau das war auch der Grund, warum ich weggefahren bin.
Seit meinem 12 Lebensjahr habe ich eine Essstörung und gehe damit mittlerweile auch öffentlich um. Ich habe keine Angst, ich weiß, dass ich vielen Frauen damit aus der Seele spreche und ich will mich mit der Thematik auch verdammt nochmal nicht mehr alleine fühlen.

Warum ich Ruhe wollte
Ich habe gemerkt, dass ich im Alltag vermehrt Essdruck verspürte, fühlte mich unwohl, nicht gut genug und immer müde. Ich war gereizt, total eingespannt und verspannt. Mein Kopf hatte die merkwürdigsten Gedanken und mein Gedanken- Karoussell drehte sich ständig. Ich habe nach einem Ort der Stille gesucht, einen Ort der Einkehr, Besinnlichkeit und der Liebe.  Gut Saunstorf ist genau ein solcher Ort und bietet dem Ruhesuchenden alles, was er/sie braucht. Es wird als modernes Kloster bezeichnet, gehört aber keiner Konfession an. Wer möchte, kann auch kleine Arbeiten im Hause oder Garten verbringen – Ora et labora (beten und arbeiten). Oder man kommt, so wie ich, als Hotelgast und gestaltet seinen Tag individuell.

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Auf dem Gut angekommen, wurde ich sehr liebevoll empfangen und in einem Erstgespräche erklärte man mir, wie der Tagesablauf ist und was ich alles für mich nutzen kann. Das tägliche Meditieren gehört auf Gut Saunstorf zum festen Tagesplan, ebenso Körperübungen und feste Essenszeiten. In stille sitzend, 30 Minuten zu meditieren, kam mir anfangs unglaublich lange vor. Ich hatte keine Bedenken und lies mich auf alles ein, was mich auf dem Gutshof erwartete.

Gedanken
Am ersten Tag gingen mir unzählige Dinge durch den Kopf. Ob es bei der Abendmeditation war oder aber auf meinem Zimmer. Ohne TV, Handy und PC war es die ersten Tage wirklich ungewohnt. In meinem Kopf war eine Mischung aus Musik und Gedanken, absolute Ruhe fand ich erst am dritten Tage.
Gedanken sind nicht immer liebevoll aber wie ich bald erkennen sollte, sind sie auch nicht unbedingt real. Dazu später mehr.

bdr

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Die Zimmer

Mein Zimmer war liebevoll aber recht simple eingerichtet, nur mit dem nötigsten ausgestattet. Mehr braucht es auch wirklich nicht. Ohne TV komme ich generell gut zurecht. Zuhause schaue ich meine Filme oder Lieblingsserien über Amazon, den Fernseher betätige ich nur, wenn mir wirklich langweilig ist.

Ohne Handy, DAS war eine echte Herausforderung. Wie oft denkt man an Facebook, Instagram oder andere Social Media Kanäle. Ich habe in der Stille gemerkt, wie sehr ich es dort übertreibe, auch wenn es mein Beruf ist.
Da ich meine Männer wirklich sehr vermisst habe, musste ich abends mit ihnen telefonieren oder dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich mal eine vertraute Stimme hören muss. Das war eine absolute Herzensangelegenheit!

Beauty-Spa
Gut Saunstorf hat ein eher kleines aber feines Beauty-Spa, welches ich fast jeden Tag genutzt habe.
Die Sauna war fantastisch, nicht zu heiß, meistens um die 65 Grad und ich hatte fast jeden Tag meine absolute Ruhe dort. Gesichtsmasken, Saunieren, entspannen und noch in die Infrarotlichtkabine..so sah fast jeder meiner Nachmittage aus.  Wann habe ich schon die Zeit dazu, mich so zu verwöhnen? Wann kann ich mich schon so gezielt und ausgiebig entspannen?

Sauna
Zum Spa gehören Ayurveda-Angebote und ein Floating Tank. Letzteres habe ich für eine Stunde in Anspruch genommen und fand es herrlich entspannend. In absoluter Stille und Dunkelheit lag ich eine Stunde im Wasser des Tanks und hörte meinem Herzschlag und meinem Atem – mehr nicht.
Was mich irritierte war, dass nicht mein kompletter Körper floatete. Mein Hinterteil blieb im Wasser. Es kann sein, dass etwas wenig Wasser im Tank war oder mein Po ist einfach zu schwer. Wer Platzangst oder die Tatsache, dass man quasi in einem geschlossenen Tank liegt, dem empfehle ich das Floaten nicht. Natürlich kann man jederzeit aus dem Tank heraus, auch von innen geht eine Tür auf.

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In der Stille liegt die Kraft
Allgemein wird auf dem Gut eher geschwiegen, man redet nicht viel. Jeder Mensch ist dort mit seiner eigenen Geschichte und sucht die Ruhe. Während der Mahlzeiten kann man sich unterhalten, außer zu Mittag, da wird komplett geschwiegen. Das Mittagessen wird mit drei Gongschlägen eingeläutet und mit einem wieder beendet.
Bewusst Essen, ohne zu sprechen, sich Genuss erlauben ohne Reue, das war für mich eine unglaublich wichtige Erfahrung. Ich hatte meinen eigenen Tisch auf dem eine Tafel mit meinem Namen stand, eine Kerze, Pfeffer-und Salzstreuer und eine frische Blumen aus dem Garten.

schweigen
Neben der Meditation habe ich jeden Tag mehrere Spaziergänge gemacht, habe viele Bücher gelesen und mir viele Fragen gestellt. Das Gut ist ringsum von einem Wald umgeben, hat eine große Wiese mit Liegestühlen, einen eigenen Garten mit frischen Kräutern und Gemüsesorten und ein verstecktes Gewächshaus. Man kann in Ruhe durch die Landschaft laufen, niemand stört, alle sind zurückhaltend und verstehen, dass es wichtig ist zu schweigen.

Bewusst „SEIN“
Was heißt es aber, bewusst zu sein oder was genau bedeutet es, sein selbst zu erkennen und zu lieben?
Das sind wirklich bedeutende Fragen, deren Antworten man nicht in zwei Sätzen beantworten kann. Wenn wir uns besser verstehen wollen und wissen wollen, was in unserem Kof vorgeht, so müssen wir ersteinmal still werden und in uns hinein horchen. Das gelang mir Zuhause bisher nie, daher mein Besuch auf Gut Saunstorf.

Sich zu lieben, sich wertzuschätzen, sein innerstes zu erkennen, dass ist eine Meisteraufgabe. Nicht auf die Gedanken zu hören, dass du nicht gut genug bist, zu wissen, dass alle deine Antworten in dir bereits vorhanden sind, dass habe ich erst jetzt erkannt. Ich brauche keinen Diätplan, keinen neusten Foodtrend sondern kann intuitiv alles essen, wann und immer ich will ohne schlechtes Wissen.

Was ich für mich mitgenommen habe könnt ihr bereits hier von meinem ersten „Podcast“ hören und euch herunterladen. Ich werde in meinem zweiten Bericht erzählen, was ich für mich mitgenommen habe und wie meine Reise nun weitergeht.

Ich freue mich sehr, dass euch meine Geschichte inspiriert, ihr mir so viele Nachrichten schickt und mir von eurem Weg erzählt. Danke, von Herzen. Es bedeutet mir so viel!

Seid gut zu euch <3

Tanja

 

Fotos: @Gut Saunstorf

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