Wie viel Kurve bringt Quote? – Neue Show Curvy Supermodel

Hallo meine Lieben,

bevor ich euch heute das Aufstehen an diesem schönen Dienstag versüße, hoffe ich, dass euer langes Wochenende erholsam war.  Heute geht es für mich früh ab ins Büro und ich bin mir sicher, dass ihr genau so viel Elan wie ich für diese kurze Arbeitswoche habt.

Was gibt es schönes in der aktuellen Medienlandschaft?
Wie ihr vielleicht mitbekommen habt läuft in dieser Woche eine neue Show namens „Curvy Supermodel“ an. RTL II will damit nicht nur eine Zielgruppe ansprechen sondern auch das vermarkten, was vermutlich momentan mega „hipp“ ist. Es ist so ironisch wie es nur sein kann, wenn ich „angesagt oder trendy, hipp und voll modern“ höre.
Wenn ich mich durch die Pressemeldungen lese, mir die Kommentare  und Fotos anschaue wird mir echt ein wenig anders. Warum?

„Kurven sind nicht trendy“
Frauen mit mehr im TV, dass ist eine Seltenheit. Alle Schauspielerinnen und Sternchen, die ich mit Rundungen kenne sind mittlerweile erschlankt bzw. mehr oder weniger weg vom TV-Olymp. Ein Mangel erschafft automatisch eine Ausgrenzung oder besser gesagt, was wir im TV und der Medien-Welt nicht sehen, wirkt im außen fremd.
Wir haben in den letzten Jahrzehnten kaum Menschen die dick sind im TV gesehen. Hier und da tauchte eine Frau auf oder ein Mann, selten werden diese Personen aber in nicht lustigen Rollen gezeigt.
„Fat & Jolly“ oder dick und lustig, dass sind typische Assoziationen für dicke Menschen. Am besten mit Bärchenmuster, im pinken Jogging-Anzug und Krönchen auf dem Kopf. Das Paradebeispiel des schlechten Geschmacks.

Wenn wir aber annehmen, dass Kurven jetzt angesagt sind, so liegen wir falsch. Denken wir uns die mediale Welt mal weg und schauen auf die Straße, so gibt es dort kaum Menschen, die eine Konfektionsgröße 38 oder kleiner tragen. Liegt die Durchschnittsgröße der Deutschen Frau doch bei einer 42/44.
Trotzdem machen uns Zeitschriften, Magazine, Bilder vom roten Teppich oder Klatsch- und Tratsch Sendungen weiß, dass wir eben nicht so aussehen, wie diese Menschen, die sich auf unserem Flachbildschirm bewegen.  Eine visuelle Kultur die uns glauben machen will, dass wir so, wie wir gerade sind auf keinen Fall bleiben können. Es gibt immer ein Optimum von uns.

 

angelina-kirsch
Instagram/Angelina Kirsch

Und was hat das mit Kurven zu tun?
Das was früher als frauliche Figur angesehen wurde ist heute Plus Size. Frauen die Model werden möchten und eine Größe 38 tragen, gehören  in die Kategorie „Plus Size“, wenn wir die Laufstege der Fashion Weeks in Paris, Berlin, Mailand etc anschauen. Eine 40/42 wird heute als dick angesehen.

Kurven gab es immer schon, es passiert nur sehr viel mehr und das vor allem von kurvigen Frauen selbst. Wir organisieren uns in Gruppen, treffen uns auf Stammtischen, tauschen wie andere Frauen auch Outfit-Tipps aus, es gibt viele Plus Size Blogger in Deutschland die modetechnisch die Fahne ganz weit hoch und oben halten und teilweise auf einschlägigen Facebook Seiten von „Leidensgenossen“ regelrecht auseinandergenommen werden. Seit Jahren! Frauen, die jeden Tag voller Mut und Selbstbewusstsein sagen: Schaut her, ich bin gut so wie ich bin. Ich bin kein Trend, kein Fetisch oder völlig anders, ich brauche nur mehr Stoff und vielleicht ein wenig mehr Platz.
Und nicht zuletzt meine Wenigkeit mit den jährlich stattfindenden Plus Size Fashion Days.

Neues Bewusstsein schaffen?
Lesen wir Magazine so blättern wir in der Fiktion – eine visuelle Kultur in der niemand, absolut niemand so aussieht wie dort auf den Bildern. Und trotzdem versuchen viele immer wieder, diese Fiktion für sich zu erschaffen. Wir folgen Make-up Trends, tragen Shapewear, optimieren uns, machen mehr aus uns, nehmen ab, ernten Beifall für unser Aussehen und doch sind wir nicht heil. Wir wollen immer das haben, was gerade angesagt ist, das Mittelchen finden, welches vermeindlich Erlösung oder Abhilfe schafft.
Curvy Super Model wird kein neues Bewusstsein erschaffen, es wird einem Trend folgen, Frauen mit wohlgeformten Körpern zeigen, wird die Frau herraussuchen, die am Besten zu Vermarkten ist. Wird sich bestimmt sehr oft auf äußerliche Merkmale beziehen und Mädels nicht von innen heraus bestärken.
Das Produkt, was am besten in den Vermarktungsplan passt wird gewinnen und vermarktet werden
Frauen jenseits der Konfektion 48 wird es dort nur in den ersten Sendungen geben, für die Quote sind sie gut, für die Jobs- leider nein.
Die interessantesten Geschichten werden siegen oder so lange dabei sein, wie es passt. Tränen, Zickenterror, Konkurrenzkampf…ich würde mir so gerne wünschen, dass es eine wertige Produktion ist. Ich bin mir aber sicher, ohne die Show vorab gesehen zu haben, dass es ziehmlich so eintreffen wird, wie hier beschrieben.

Body Bashing
Mit der neue Show geht es in den Medien rund. Schlank vs. Dünn, von dürren Hungerhaken, mageren oder hageren Frauen wird gesprochen und diskutiert, was denn nun die besten Körperform wäre.
Jeder Körper ist prinzipiel schön. Weder steht es uns zu, schlanke Frauen fürs Schlanksein anzugreifen, noch sollte man Körperlichkeiten gegeneinander aufstacheln. Leider leben die Medien von solchen „Spielen“, sehr zum Leid der Zuschauer. Wir können aber selber entscheiden, wie wir damit umgehen.
Social Media 
Auch wenn die Produktionsfirma eine wertige und gute Sendung verspricht, so kann ich mir nicht vorstellen, dass die Produktion sich die Mühe gemacht hat ihre Teilnehmer zu coachen, was das Handling der Social Media Blase angeht. Gefestigte Menschen wissen, dass diese Serie ein Sprungbrett für sie sein kann. Das die bösen Kommentare, und diese werden kommen, einfach nicht sie persönlich beleidigen, sondern die Misgunst der Menschen vor der Mattscheibe wiederspiegelt.  Teilnehmer können sich diese Kommentare aber auch sehr, sehr zu Herzen nehmen und damit nicht klar kommen. Wer betreut im Fall einer bereits abgedrehten Sendung?

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Die neue Curvy Supermodel Jury Bild: RTL II; Foto: Magdalena Possert

Eine neue  Ashley Graham
So werden wir also in dieser Woche das erste Mal die neue German Ashley Graham suchen. Eine Frau, die nicht viel anders sein wird, als ihre regulären Model Kolleginnen. Werden bewegende Geschichten hören, viele Tränen werden fließen, Frauen sich offenbaren und so weiter..
Ich freue mich für die TV Zuschauer, dass sie ein anderes Bild sehen und nicht nur perfekte Körper. Ich freue mich auf Angelina Kirsch und Motzi. Harald wird lustig sein und tolle Sprüche drauf haben, den anderen Herrn kenne ich noch nicht. Die eine oder andere Kandidatin kenne ich und ich glaube, einige werdet ihr auch auf den Plus Size Fashion Days 2016 wiedersehen.

Es bleibt ein letzter Funken Hoffnung, dass das oben gesagte reine Fiktion ist und ganz anders wird. Ich bin gespannt.

Einen super Wochenstart.
Eure
Tanja

 

 

 

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