Wertschätzend, liebevoll und selbstbestimmt – Mein Weg zu mir

Ihr Lieben,

seit einem Monat bin ich jetzt beim MeridianSpa in Hamburg und bin sehr glücklich. In meinem letzten Beitrag habe ich euch bereits berichtet, dass ich mich gegen ein Magenband entschieden habe und selbstständig die Initiative ergreifen möchte, für mehr Gesundheit.

Auf den Beitrag habe ich viele Reaktionen und Nachrichten erhalten. Was ich erneut gerne betonen möchte, und was auch genau so in meinem Beitrag stand, ist die Tatsache, dass Jede*r seinen eigenen Weg finden muss. Kein Weg ist einfacher, schwerer, besser oder was auch immer. Aber wir haben immer die Wahl, uns für den einen oder anderen Weg.

Meine Heilungsreise

Heilung… es ist so ein mächtiges Wort, und doch wird es so selten benutzt. Wir beschäftigen uns viel lieber mit unserer Oberfläche, mit unserem Äußeren und vergessen dabei, gerne die Dinge anzugehen, die wirklich wichtig sind. Im Inneren eines Jeden von uns liegt ein Schatz, so hell und klar und schön. Dort bist du von ganzem Herzen du selbst, und dort liegt der Schlüssel zu allen Problemen.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder versucht abzunehmen. Habe es sehr oft geschafft… und bin mindestens genauso oft gescheitert. Auch dieses Mal habe ich Angst, dass es mir erneut nicht gelingen könnte, mein Gewicht zu verringern. Ich mache diese Schritte in aller Öffentlichkeit und mit dem vollsten Vertrauen in mein Selbst. Ein ganz wichtiger Punkt hat sich geändert – ich mache das alles für meine Gesundheit, nicht aufgrund irgendwelcher Erwartungen oder eigener Ansprüche. Ich habe viel zu oft aus den falschen Motiven abgenommen, und genau dort sehe ich den Schlüssel. Zu oft habe ich die Geduld verloren, bin beschämt aus einem Programm ausgestiegen, das mir ganz und gar nicht gut getan hat und habe mich dafür noch schrecklich schuldig gefühlt. Ich habe gesehen, wie andere Profit mit meiner Reichweite machen wollten, wie sie um mich herum scharwenzelten und mir Honig um den Bart schmierten. Auch heute sehe ich genug Menschen, die sich blind und voller guter Absicht in die Hände anderer begeben, weil sie einen Strohhalm suchen, weil sie endlich aus dem Teufelskreis der Essstörung, des zu viel an Essen, ausbrechen wollen. Ich kann nicht allen helfen, habe ich mir irgendwann gesagt, aber ich kann euch meine Erfahrungen mit auf den Weg geben.

Was hat sich getan?

Ich habe mehr Geduld mit mir und lasse mir Zeit. Ich weiß, dass es schwer ist. Besonders weil ich unfassbar viel möchte, und am liebsten alles auf einmal. Aber das wird so nicht funktionieren. Ich sage mir, dass es wichtig ist, dass ich Schritt für Schritt vorankomme – Jeden Tag ein bisschen. Insgesamt sind es die kleinen Entscheidungen, die über mein Morgen mitentscheiden, und dessen bin ich mir voll bewusst.

Heißhunger – wie gehe ich damit um?

Die Versuchungen sind jeden Tag da – jeden Tag. Zugegeben, Zuhause habe ich keine Süßigkeiten, ich fühle mich noch nicht so stark, dass ich es aushalten würde. Dieser Punkt kommt aber bestimmt noch.

Ich möchte allerdings, dass die Kids ihre Weihnachtsrituale haben, und so haben wir vergangenen Freitag unser Knusperhäuschen verziert und ich habe mitgeholfen. Auch Plätzchenbacken für den Schulbasar funktioniert – ich weiß, dass ich gerade einfach zurückstecken muss. Meine Knie danken es mir.

Wenn wir körperlich satt sind und es uns an nichts mangelt, dann brauchen wir nicht immer und ständig Essen. Ein Snack hier, ein Snack da, besonders die Weihnachtszeit macht vielen Angst.

Wenn ich merke, dass in meinem Kopf alles rattert und ich mir bereits überlege, wie ich wann und wo Süßes essen kann, dann versuche ich diese Gedankenspirale zu durchbrechen.

Was genau tue ich?

Ich weiß, ab einem gewissen Stadium einer Essstörung kommt man noch nicht mal dazu innezuhalten, bevor die Chips-Packung geöffnet wird. Erst wenn selbige leer ist und vielleicht noch eine zweite aufgemacht wird, kommt das schlechte Gewissen und das ewige Versprechen, das morgen ja alles anders wird.

Morgen wird aber vielleicht ein ähnlicher Tag sein, oder wir benutzen einen anderen Vorwand, um doch wieder die nächste Schokolade essen zu dürfen.

Ich habe diese Spielchen alle verinnerlicht, und es tut mir immer noch weh zu sehen, wie sehr ich mich in den letzten Jahrzehnten belogen habe. Zu wissen, wieviel Geld ich allein für Essen ausgegeben habe. Manche Fressanfälle haben über Wochen angehalten. Jeden Tag habe ich Unmengen in mich hineingestopft, mir gesagt, dass ich jederzeit wieder aufhören kann und ja ab morgen wieder eine Diät machen kann. Auch wenn ich selbige für absolut sinnlos halte.

Dieses Spiel spiele ich seit meinem 13. Lebensjahr. Mal weniger ausgeprägt, mal ganz stark, manchmal bis zur absoluten Sinnfreiheit. Und dabei habe ich es trotzdem geschafft, mir ein Business aufzubauen, eine Familie zu haben und mich trotzdem zu lieben, auch wenn es an einigen Tagen sehr, sehr schwer war

Was hilft im Notfall?

Steh auf, gehe aus der Situation heraus. Bewege dich, höre Musik, tanze, lache, weine und halte aus. Halte aus, dass dich vielleicht Gefühle überkommen, die du gar nicht möchtest. Heiße diese willkommen – auch wenn du Angst hast.

Nimm Essen zu dir, dass dich nicht triggert. Ich bin der festen Überzeugung, dass es Lebensmittel gibt, die den Heißhunger fördern und dich immer wieder mehr essen lassen wollen. McDonalds gehört für mich ganz klar dazu, aber auch Weißbrot, Weizen und Nahrungsmittel, die viel Zucker enthalten.

Seit ich wenig Brot esse und meine Nahrung durch frische Lebensmittel ersetzt habe, geht es mir viel besser.

Vertraue dich Jemandem an

Du brauchst Jemanden, der dich versteht und weiß, wie es dir geht. Dies kann ein Forum sein, eine gute Freundin oder Freund, dein Partner, deine Katze… you name it. Wichtig ist, dass das gedachte Wort raus muss. Ich habe in vielen Therapiesitzungen gemerkt, dass es einen großen Unterschied macht, ob wir unsere Gedanken nur für uns denken oder sie auch mal aussprechen.

Singe, schreibe, male, werde kreativ – du wirst merken, dass dir viel mehr Zeit bleibt am Tag, die du sinnvoll nutzen kannst.

In meinem nächsten Beitrag basteln wir uns eine Notfallkiste…

Alles Liebe, Tanja

 

Dieser Beitrag zeigt mich in einem Kleid von Brunello Barbieri, welches extra für mich angefertigt wurde für meine Plus Size Fashion Days. 

Bilder: @Kupferfux

1 Comment
  1. Liebe Tanja,

    schon lange bin ich stille Leserin Deines Blogs und bewundere aus der Ferne, was Du alles geschafft hast! Hier wollte ich nur mein Respekt zeigen, dass Du Dich traust, Deinen Weg mit der Öffentlichkeit zu teilen. Ich selbst habe dieses Jahr (zum ersten Mail in meinem Leben!) mit einer Ernährungsumstellung angefangen und immerhin 14Kg abgenommen. Gerade deswegen weiß ich, wie groß die Angst ist, davon zu erzählen: Man ist sich so gar nicht sicher, ob man am Ende nur die bemitleidenden Blicke und Kommentare erntet. Nach Ansicht vieler haben die Menschen mit Übergewicht schon sowieso versagt – sonst würden wir so nicht aussehen. Ich habe es nur meinem Mann erzählt, sonst weiß es keiner. Mir geht es so besser. Aber Du zeigst es nun allen, dass es auch anders geht! Zwar glaube ich nicht, dass Du Zuspruch von unbekannten Personen brauchst. Trotzdem will ich Dir danke sagen, dass Du, wie schon so oft, nach vorne gehst und uns allen zeigst, dass wir uns nicht verstecken müssen. Ich wünsche Dir sehr viel Erfolg – in allem was Du machst, besonders aber dabei, Deine Gesundheit zu verbessern! Und jetzt gehe ich tatsächlich in Fitnessstudio!
    Mit aller besten Wünsschen,
    Natascha

Leave a Reply

Your email address will not be published.