Es ist was falsch im Mode Business – Stiefkind Plus Size

Hallo, meine Lieben..

ich weiß, der treue Blog-Leser hat sich vielleicht gewundert, warum ich so lange nicht geschrieben habe. Fast 4 Wochen ist es her, dass ich meinen letzten Beitrag veröffentlicht habe. Wenn ich ehrlich bin, dann war diese Pause wichtig, denn irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich alles nur noch um Zahlen, Fakten und Bla Bla Bla dreht. Außerdem bin ich quasi kurz vor den Kurvenrausch Plus Size Fashion Days, die ersten Castings fanden statt, viel Planung und viele Absprachen…

Mein Leben als Unternehmerin ist nicht immer leicht, fancy und easy… Was mir ganz klar geworden ist, ist die Tatsache, dass ich mit meinem Blog Bestand haben will und mehr als nur eine Litfaßsäule und Werbefläche bin. Es gibt aktuell so viele Themen, die mich beschäftigen, ich muss darüber einfach mehr schreiben und auch endlich das Thema „Buch“ angehen, das ich immer wieder vor mir herschiebe. Auch wenn ich mich sehr für Mode, Styling und Fashion im Allgemeinen interessiere, so brennt und schlägt mein Herz für Events und das Durchsetzen meiner Visionen und Ziele. Diese Ziele sind nicht nur meine, sondern sie handeln ganz oft von der Ungerechtigkeit und den falschen Idealen in der Plus Size-Branche. Umso wichtiger war es mir, auf der ersten Kurvenrausch Plus Size Lounge während der Berlin Fashion Week einen Ort zu schaffen, bei dem nicht nur die beste Stimmung herrscht, sondern auch etwas bewegt wird.

Ja, wir sind ein Side Event, aber wir sind verdammt viele, die an nur einem Tag dafür gesorgt haben, dass Plus Size eine Stimme bekommt, auch und vor allem auf der Fashion Week. Falls ihr es verpasst habt, dann unbedingt den Beitrag über die Kurvenrausch Plus Size Lounge lesen.

Die Fashion Shows auf der Berlin Fashion Week

Ich liebe es, die großen Shows zu besuchen, die Hektik drum herum, aber auch die Mode zu erleben und fast anfassen zu können. Ich komme aus dem Beauty-Bereich und habe in meinem Leben an vielen Modestrecken und -shootings teilgenommen.
Ich liebe eine gute Verarbeitung, liebe es, wenn Mode lebt  – Stoffe und Muster mit dem richtigen Styling kombiniert, eine perfekte Illusion aufbaut und als Krönung dem Zuschauer auf einer Show präsentiert wird. Marcel Ostertag war für mich so eine Show.

Die wundervolle Atmosphäre, die wertige Mode, Modelle, die wunderschön und elfenartig über den Catwalk schritten, Fransen an Schuhen und Hosen, die für Bewegung und tolle Effekte sorgten. Marcel Ostertag sagte in seiner Schlussrede, dass er das Thema „Diversity“ als sehr wichtig erachtet, er mit der „Muse“-Kollektion die Regenbogenfahne neu inszeniert hätte.

Mein erster Gedanke war – „Aber die Dicken meint er sicher nicht!“ – wie so oft auf der Fashion Week. Im zweiten Anlauf dachte ich, dass ich dem Herrn Ostertag einfach mal eine Mail schreibe und ihn genau das frage. Denn ganz ehrlich – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Neugierde und das Selbstbewusstsein, vieles zu erreichen, und auch absolut verdient zu erreichen, das ist mir mittlerweile vertraut.

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Plus Size auf der Berlin Fashion Week

Im Januar habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Plus Size verschwindend gering auf der Fashion Week vertreten war. Während die Panorama beim letzten Mal vorerst noch mit genügend Plus Size-Ständen auf den interessierten Einkäufer wartete, so war jetzt im Sommer noch weniger los. Die einzelnen Händler, die noch auf der Panorama-Messe vertreten waren, sind so gut wie weg – nur vereinzelnd waren in der letzten Woche noch ein paar Händler anzutreffen. Ich persönlich habe mir, wie im Januar auch, die Messe gekniffen. Ich will dort hin, wo niemand mit Plus Size rechnet. Wo niemand dafür einsteht, und wo wir trotzdem gesehen werden. Ich will zu den normalen Shows! Ich sage es immer wieder:

Innerhalb unserer Community erreichen wir viel, aber außerhalb dieses Kreises können wir für uns alle noch so viel mehr erreichen.

Was glaubt ihr, wie die Reaktion auf Menschen wie mich sind, die sichtlich mehr Masse und Größe haben als die typische Fashion Week-Besucherin? Der Fashion-Zirkus in Berlin ist furchtbar oberflächlich, und alle wollen irgendwie dazu gehören, wollen dabei sein, die Influencer wollen in die ersten Reihen…Es wird sich bei Proben gestritten, wer welches Kleid zeigen wird, denn Frau X hat mehr Follower als Frau Y. Wir kriegen diese ganzen Infos nur nicht immer so mit, und auch für mich war es in diesem Jahr die anstrengendste Fashion Week – ever!

Aber es gibt sie, die wunderbaren Menschen, die herausstechen aus der Gesichts-OP-Masse, die leuchten wie helle Sterne und dir Input und Wissen weitergeben wollen.

Die nicht ihre Ellenbogen ausfahren müssen und nicht so tun, als wären sie furchtbar wichtig (…auch wenn sie es eigentlich sind). Diese Menschen habe ich kennengelernt, und an Ihnen nehme ich mir sehr gerne ein Beispiel. Sie vernetzen, helfen und kontakten… Sie reden und stehen für so viel ein, dass ich einfach unfassbar dankbar bin, sie zu kennen.

Fashionweek Plus Size Lounge

Plus Size ist nichts Negatives

Was mich unfassbar traurig macht, und es scheinen nicht viele mitzubekommen, ist die Tatsache, dass viele Menschen, auch Blogger und Influencer aus dem Plus Size-Bereich, ein Problem haben mit den Wörtern „Plus Size“. „Plus“ bedeutet mehr, also mehr Größe. Warum distanzieren sich also Modelle wie Angelina Kirsch, Sarina Nowak und auch Ashley Graham von dem Begriff?

Ich finde solche Labels selbst überflüssig und kann verstehen, dass sie eher als Model, Influencer, als Frau etc. wahrgenommen werden möchten und nicht als Plus Size-Persönlichkeit. Aber wir haben es ich nicht mal geschafft, in unserer Gesellschaft die Schublade „Plus Size“ positiv zu besetzen.
Wir sind so leise und meiner Meinung nach viel zu oft viel zu einsichtig, wenn es um uns geht. Es ist einfach noch zu früh, um so zu tun, als gäbe es keine Größen-Unterscheidung in der Modewelt. Wie können Modelle, die von Plus Size-Firmen gebucht werden und ihr Geld von Plus Size-Labels bekommen, sich von ihrem Geldgeber distanzieren bzw. von deren Message? Es will nicht in meinen Kopf?!

Plus Size = nicht normal?

Als ich heute Morgen das Interview-Video von der süßen Sarina Nowak sah, dachte ich nur – das hat sie nicht wirklich gesagt? Sie nenne sich lieber „Curvy“, denn „Plus Size“ wäre für sie nicht normal. In ihrer eigenen Art und Weise wollte sie wohl nicht wirklich etwas Böses sagen, aber ich frage mich schon: Wie geht denn das? Ihr Statement für die neue Staffel „Curvy Super Model“, die ja bekanntermaßen keine großen Größen suchen, war wohl nicht ganz so überlegt.
„Curvy“ bedeutet für sie mehr Vielfalt – sehe ich anders.

In meinen Gesprächen mit Redakteuren, Agenturen und allgemein Menschen, die in den Medien tätig sind, mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Plus Size etwas wirklich Schlimmes ist – das böse Stiefkind, dem sich keiner annehmen will.

Wenn wir Plus Size-Strecken sehen, dann sind diese ganz oft trist und in der untersten Plus Size-Größe. Also eher Richtung 42/44… Wenn ich Modenschauen besuche, sehe ich kaum Vielfalt, eher entweder eine Quoten-Dicke bzw. eine Größe 42/44.
Plus Size findet in unserer Gesellschaft nicht statt. Weder in den Katalogen, noch in den Medien. Das sollte sich ganz schnell ändern und an dieser Front arbeite ich seit Jahren. Ich bin so froh, dass ich mit den Plus Size Fashion Days Firmen an meiner Seite habe, die mich verstehen und wissen, wie wichtig Vielfalt auf dem Laufsteg ist. Ich würde mich freuen, wenn wir uns persönlich m September auf den Kurvenrausch Plus Size Fashion Days sehen. Tickets gibt es hier. Ich bin noch lange nicht am Ende und weiß, dass es ganz bald noch viel mehr zu tun geben wird. Packen wir es an….

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